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Hallo
liebe Tagesmütter, liebe Mütter, liebe Väter,
liebe interessierte Leser,
was
gibts Neues zum Thema Tagespflege? Was ist uns
zwischenzeitlich alles zu Ohren gekommen, wovon Sie und ich
gemeinsam profitieren und lernen können? Welche Sorgen und Nöte
werden von Tagesmüttern und Eltern an mich herangetragen? Wie sehen
die Lösungen aus, die die Familien für sich gewählt haben? Gibt
es neue gesetzliche Grundlagen zur Tagespflege? usw.
Wann
ist eine Pflegeerlaubnis für eine Tagesmutter/vater notwendig?
Eine
Tagesmutter darf 3 Kinder (zusätzlich zu den eigenen) im eigenen
Haushalt betreuen. Ab dem 4. Kind muss sie eine Pflegeerlaubnis beim
zuständigen Jugendamt beantragen. Strafbar macht man sich dann,
wenn man von der Erforderlichkeit einer Pflegeerlaubnis weiss und
sie nicht beantragt (schlauer Satz). Nun gibt es aber offensichtlich
Tagesmütter, die mehr als 3 Kinder ohne Pflegeerlaubnis betreuen,
diese Kinder sich aber zu unterschiedlichen Zeiten bei der
Tagesmutter aufhalten; sich also nicht immer begegnen. Was dann?
Hier ist sicherheitshalber das zuständige Jugendamt zu befragen,
denn auch mit Pflegeerlaubnis entscheidet das Jugendamt über die
Zahl der Kinder, die betreut werden darf. Es kommt auch darauf an,
ab welcher Stundenzahl pro Tag das zuständige Jugendamt von
Tagespflege spricht; dies variiert von Bundesland zu Bundesland und
Gemeinde zu Gemeinde. Informieren Sie sich, denn es dient auch ihrer
Sicherheit, da die Tagsmutter im Falle eines Unfalls auch bei
geringer Stundenzahl pro Tag schnell in Erklärungsnot gerät bezüglich
der Aufsichtspflicht!
Wer
kann eigentlich eine gute Tagesmutter/vater werden und welche
Personen sind weniger oder gar nicht geeignet
Mit
dieser Fragestellung setze ich mich seit vielen Jahren auseinander.
Eltern erkundigen sich besorgt nach den Auswahlkriterien einer
"guten Tagesmutter" von Wigwam. Drücken ihre Sorge über
das Abgeben des eigenen Kindes in übersteigenden Erwartungen an die
zukünftige Tagesfamilie aus; Erwartungen, die in die Richtung
gehen, dass eine allzeitbereite, nie krankwerdende, den eigenen
Erziehungsvorstellungen sich völlig anpassende Tagesfamilie gesucht
wird; worauf ich stets zu antworten pflege: "die muss erst
gebacken werden".
Zum
anderen gibt es Tagesmütter, die immer wieder enttäuschende
Erfahrungen während der Tagespflege sammeln oder mit der Zeit
bemerken, dass dies nicht die richtige Beschäftigung auf Dauer für
Sie sein kann.
Hierzu
möchte ich zunächst einige grundsätzliche Äußerungen machen und
weiterhin in jedem Info-Brief auf das ein oder andere spezifischere
und immer wieder kehrende Problem eingehen!
Grundsätzlich
kann jede Person, die Freude an der Erziehungsaufgabe und am Leben
mit Kindern hat, und verbindlich auf längere Zeit diese
verantwortungsbewußte Aufgabe übernehmen möchte,
Tagesmutter/vater werden. Die Verbindlichkeit und Verläßlichkeit
über einen längeren Zeitraum stellen die Ausgangslage für eine
Betreuung zum Wohl des Kindes dar.
Dann
sollte vor allem die echte Motivation und die tatsächliche
Belastbarkeit überprüft werden. Positive Merkmale sind daher:
-
Stellt die Tagespflege eine Beziehung her zum ehemaligen oder
zukünfigen Beruf?
-
Suche ich eine neue sinnvolle Aufgabe und habe ich meine eigene
Familiesituation dabei realistisch eingeschätzt?
-
Kann und möchte ich meine eigenen Erfahrungen im Leben mit Kindern
weitergeben?
-
Welchen Belastungen ist die eigene Familie gewachsen
- Ist
mir bewußt, dass ich phasenweise mehr ans Haus gebunden sein werde,
weniger Zeit für meine eigenen Kinder habe und mehr Hausarbeit auf
mich wartet??
-
Wie reagieren meine eigenen Kinder auf die Gastkinder?
-
Unterstützt die ganze Familie die Aufnahme des Tageskindes oder
muss ich mit Widerstand rechnen?
-
Ist genug Platz zum Spielen, Schlafen oder für die Hausaufgaben
vorhanden?
-
Kann ich vor dem Hintergrund meiner eigenen Erziehungsvorstellungen
auf die andere Persönlichkeit des Tageskindes richtig eingehen?
-
Kann ich mir vorstellen, in einen kontinuierlichen Prozeß des
"Erziehungsdialoges" mit den Eltern einzusteigen, der
evtl. Kompromisse von mir fordert?
-
Ist mir bewußt, dass Schwierigkeiten auftreten können im Verlauf
der Betreuung und wie gehe ich mit Kritik tatsächlich um
Wirlich
nicht geeignet sind Tagespflegepersonen, die (und hier sind offene
Worte angebracht!)
-
lediglich einen Spielkamerad für das eigene Kind suchen
-
einen Ersatz suchen für das eigene verstorbene Kind oder als Ersatz
für weitere eigene Kinder
- versuchen
mit der Tätigkeit die eigenen persönlichen, familiären oder
erzieherischen Probleme zu mindern
-
ständig Zweifel daran haben, ihr eigenes Kind "richtig"
zu erziehen
-
nur Liebe und Dankbarkeit erwarten
-
die Existenzsicherung im Vordergrund sehen, oder vom Betreuungsgeld
nur Schulden bezahlen wollen
-
durch ein Kind die Einsamkeit überwinden wollen
-
äußerlich einen ungepflegen Eindruck machen
-
offensichtlich mit physischen
und psychischen Einschränkungen
leben
-
keine schulischen Grundkenntnisse mitbringen
-
arbeitslos gemeldet sind. Diese Personen müssen dem Arbeitsamt
z.Verfügung stehen und können darum keinen kontinuierlichen und
verläßlichen Betreuungsplatz
bieten.
Diese
Aufzählung verfolgt keinen absoluten Anspruch, sondern soll nur
verdeutlichen, dass eine Motivation, die ausschließlich auf einem
dieser Punkte beruht, nicht ausreichend ist, den beschriebenen
Belastungen standzuhalten.
In
Zukunft werde ich (in anonymer Form - versteht sich) auf aktuelle
und vergangene Problemfälle eingehen, sie darstellen und mögliche
Lösungen aufzeigen.
Problem:
Nachmittagsbetreuung von Schulkindern
Immer
wieder kommen Beschwerden von Eltern herein, das sie die
Nachmittagsbetreuung ihrer Schulkinder gerne abwechslungsreicher
gestaltet sehen möchten und trotzdem sollen die Hausaufgaben
fehlerfrei und korrigiert am Abend
vorliegen. Hierzu möchte ich anmerken:
Die Umstellung der Kinder vom Kindergarten auf die Schule ist für
die Kinder ermüdender als viele glauben. Zunächst einmal sollten
die Eltern bedenken, dass ihre Schulkinder nach Schulschluß erst
mal eine "Auszeit" benötigen, da sie sonst das Gefühl
haben, der Unterricht ginge nahtlos weiter. Danach ist es Zeit für
eine warme Mahlzeit. Anschließend ist es gar nicht so einfach für
die Tagesmutter, die Kinder davon zu überzeugen, dass jetzt wieder
die Schulpflichten - nämlich die Hausaufgaben - an der Reihe sind.
Die sollen selbstständig und ordentlich und möglichst ohne trödeln
erledigt werden. Es ist nicht
angebracht, dass die Tagesmutter daneben sitzt! Die
Tagesmutter soll diese dann nachsehen und das Kind anschließend zu
den Korrekturen anhalten. Stellen Sie sich vor, es ist ein Aufsatz
dabei. Der wird in der Regel von den Schulkindern erst mal "ins
Unreine" verfaßt - dazu benötigt man noch Zeit, um gute Ideen
zu entwickeln. Dann soll der Aufsatz noch "ins Reine" geschrieben
werden.Dann soll noch gerechnet,
gemalt und auswendig gelernt werden. Nun stehen
aber Mutter oder
Vater in der Regel gegen 17.00 Uhr zum Abholen vor der Tür. Sie müsen
sich entscheiden - liebe Eltern - möchten Sie, dass ihr Kind in
dieser kurzen Zeit noch Freizeit genießt und die Korrekturen der
Hausaufgaben zu Hause vornimmt, oder bestehen sie auf komplett
fertige Hausaufgaben in allen Fächern und nehmen in Kauf, dass
dann kaum noch Spielzeit für ihr Kind und somit auch
Gestaltungszeit für die Tagesmutter bleibt? Sehr schnell passiert
es dann auch, dass die Tagesmutter in den Augen der Kinder nur noch
die "Antreiberin" ist, und keine Gelegenheit mehr hat,
dem Kind ein anderes "Bild" zu zeigen. Bitte denken
Sie darüber nach.
Zeitschrift
Kindernothilfe
Die
Zeitschrift Kindernothilfe für die Freunde und Mitglieder der
Kindernothilfe erscheint vierteljährlich. Der Verkaufspreis ist
durch den Patenschaftsbetrag oder Mitgliedsbeitrag abgegolten.
Kindernothilfe
e.V.
Düsseldorfer
Landstr. 180
47249
Duisburg
0203/7789-0
Info-Service-Telefon:
0180-3333300
Fax:
0203-7789-118
So -
das wars für heute mal wieder - nicht zu viel und nicht zu wenig,
damit meine Infos auch wirklich gelesen werden und nicht zum
Einschlafen einladen :-)
Es grüßt
ganz herzlich
Susanne
Rowley
Kbb
Wigwam 1994
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