Hallo
liebe Tagesmütter, liebe Mütter, liebe Väter und
interessierte Leser,
ein
Monat ist nun vorbei - und da bin ich wieder mit meinem
Info-Brief - ich hoffe, Sie
lesen ihn gerne, und es ist für jeden was dabei.
Wußten
Sie eigentlich wieviele Gedenktage es international gibt, von
denen die Mehrheit der Bevölkerung nichts weiß? Ein wichtiger
Tag ist hier zu nennen; der 25.11. Das ist der Gedenktag
"NEIN zu Gewalt an Frauen". Dieser Tag geht zurück
auf den Tod der drei Schwestern Mirabal, die am 25.11.1960 in
der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst
gefoltert, vergewaltigt und ermordet wurden. 1981 wurde auf
einem Feministinnentreffen in Kolumbien der 25. November als
internationaler Gedenktag die die Opfer von Gewalt an Frauen und
Mädchen ausgerufen.
Es
wird eine bundesweite Fahnenhissaktion unter dem Motto:
"Frei leben - ohne Gewalt" geben.
Kontakt-
und Eingewöhnungsphase
Immer
wieder werde ich in den Beratungsgesprächen gefragt, wie
gewöhne ich mein Kind an die Tagesmutter, wie lange soll eine
solche Phase dauern und was muss ich beachten. Hierzu möchte
ich Ihnen erzählen, welche allgemeinen pädagogischen Grundsätze
es gibt, und welche
Erfahrungen ich im laufe der Jahre mit den Müttern und Tagesmüttern
gesammelt habe.
Zunächst
einmal gilt diese Phase dem Kennenlernen beider Familien. Die
Tagesmutter möchte Ihr Kind in seinem alltäglichen Umfeld
kennenlernen, etwas über die Persönlichkeit und den persönlichen
Entwicklungsstand des Tageskindes erfahren. Geben Sie
ihr die Möglichkeit, sich gut auf die Bedürfnisse
Ihres Kindes einzustellen, halten Sie
mit nichts hinterm Berg, was später zu Missverständnissen führen
könnte. Das ist aber nur ein Blickwinkel. Das Hauptaugenmerk
gilt dem Kind. Der Übergang aus der eigenen Familie in die noch
unbekannte Tagesfamilie bedeutet für jedes Kind eine große
Herausforderung an seine Fähigkeiten. Es wird mit unbekannten Räumen,
fremden Personen und einem veränderten Tagesablauf konfrontiert
und dazu muss es noch mit mehrstündiger Trennung von seinen
Eltern fertig werden.
Kinder
verkraften die Umstellung erfahrungsgemäß gut, wenn durch die
Eingewöhnungsphase eine gute Grundlage für einen schonenden
Übergang geschaffen worden ist. Das Kind fühlt sich dann auch
nicht abgeschoben und hat Zeit, sich auf die zukünftige
Abwesenheit der Eltern einzustellen. Dabei kommt es sehr wohl
auf das Alter des Kindes an. Darauf möchte ich heute besonders
eingehen, da die zu vermittelnden Kinder immer "jünger"
werden; d.h., die Frauen kehren immer früher in ihren Beruf zurück,
um den Anschluß nicht zu verlieren, haben aber trotzdem ihre
Schwierigkeiten mit dem Abgeben und somit auch mit der
Eingwöhnungsphase. Und da haben wir schon den Start-Gedanken.
Wie siehts mit Ihrer Einstellung aus? Haben Sie sich
die Frage:"möchte/kann ich mein Kind (Verantwortung)
abgeben oder möchte ich doch lieber zu Hause bleiben",
wirklich offen gestellt? Oder sagen Sie sich eher so in
etwa: "versuchen wir es mal - wenn es schreit - lassen
wirs". So können Sie da nicht drangehen. Ihr schlechtes
Gewissen und die damit verbundene Unruhe überträgt sich auf
ihr Kind in der Form, dass es spürt "hier stimmt was
nicht"; das kann die Eingwöhnung erheblich beeinflussen
oder gar aussichtslos machen. Nächste Frage: Wie stehts mit dem
Vater: ist dieser auch wirklich einverstanden, oder stehen Sie
unter dem Druck allein verantwortlich zu sein dafür, dass nur
ja "nichts schiefgeht", um sich hinterher die Schelte
abzuholen? Wenn Sie das beantwortet haben, dann schauen Sie sich
den nächsten Punkt an.
Kinder
bauen in den ersten Monaten ihres Lebens sogenannte
"Bindungsbeziehungen" zu Mutter und Vater auf. Dies
wird sichtbar, wenn sie im Alter von 6-8 Monaten damit beginnen
ihr Verhalten auf die Eltern hin zu orientieren. Deutlich wird
dies, wenn sie irritiert oder überfordert sind. Die Kinder
wenden sich in solchen Situationen immer an die Eltern, suchen
ihre körperliche Nähe. Ein vier Monate altes weinendes Kind
hingegen läßt sich in der Regel noch von irgendeinem
Erwachsenen, der sanft mit ihm umgeht, beruhigen. Ein Kind, dass
bereits 6-8 Monate alt ist, wird sich in der Regel zunächst nur
von den Personen beruhigen lassen, zu denen es eine
"Bindungsbeziehung" aufgebaut hat. Bindungspersonen
dienen dem Kind bei der Erkundung seiner Umwelt als
"sichere Basis"; deswegen ist insbesondere in fremder
Umgebung die Anwesenheit einer solchen Person für das Kind
anfangs unverzichtbar. Bleiben Sie also noch dabei, wenn ihr
Kind die neue Umgebung erforscht. In relativ kurzer Zeit kann
das Kind dann eine "bindungsähnliche" Beziehung mit
Ihrer Hilfe zur Tagesmutter aufbauen, d.h. konkret, sie kann das
Kind nun trösten, wenn es weint. Wieviel Eingewöhnungszeit das
einzelne Kind braucht, hängt also vom verschiedenen Faktoren
ab; besonders aber vom Alter. Fremdbetreuung in den ersten sechs
Monaten ist in der Regel einfacher für das Kind als danach bis
zum zweiten Lebensjahr. In den meisten Fällen dauert die Phase
etwa 14 Tage, Im Einzelfall mal 3 Wochen; bei anderen Kindern können
6 Tage ausreichend sein.
Gestaltung
der Eingewöhnung
Hier
herrscht besonders große Unsicherheit. Wichtig ist, wenn mal
angefangen, halten Sie den Kontakt. Es genügt, wenn Sie mit Ihrem
Kind in den ersten Tagen für ein oder zwei Stunden bei der
Tagesmutter sind. Setzen Sie sich während dieser Zeit am besten
in eine stille Ecke und versuchen "einfach da zu
sein", und schauen Sie der Tagesmutter nicht in den
Kochtopf. Drängen Sie Ihr
Kind zu keinem bestimmten Verhalten und greifen sie auch nicht
ein - schauen Sie einfach mal nur zu. Wichtige Regel: Machen
Sie in den ersten 3 Tagen auf keinen Fall Trennungsversuche !
Wenn Sie mal den Raum verlassen müssen, nehmen Sie Ihr
Kind ruhig mit. Forschungsergebnisse besagen, dass die ersten 3
Tage die wichtigsten sind. Unterstützen Sie
das natürliche Interesse Ihres Kindes an der Tagesmutter,
sprechen Sie auch mit ihr, dies wird ihr Kind registrieren und
entspannt auf die "fremde Frau" zugehen können. Am 4.
Tag sollten Sie sich mal verabschieden; bleiben Sie ruhig noch
in der Nähe, aber nicht um händeringend einzugreifen, sondern
der Tagesmutter die Möglichkeit zu geben, Sie
wieder dazuzuholen, wenn das Kind überfordert ist und wenn die
Tagesmutter das für richtig hält.
Die
Eingewöhnungsphase ist im Grunde abgeschlossen, wenn die
Tagesmutter Ihr
Kind trösten kann. Das muss aber nicht heißen, dass Ihr
Kind nicht mehr weint, wenn Sie
sich verabschieden. Ihr Kind drückt zu recht aus, dass es Sie
lieber bei sich haben möchte. Wichtig ist in jedem Fall, dass
Sie sich verabschieden - beruhigen läßt sich das Kind sowieso
nur, wenn sie gegangen sind. Günstig wäre es (wenn machbar),
dass Ihr Kind
in der ersten Zeit nur halbtags betreut wird. Vollzeitbetreuung
von Anfang an ist für jedes Kind sehr schwierig. Deswegen freue
ich mich immer, wenn sich die Mütter frühzeitig um eine
Vermittlung kümmern, damit eine gute Grundlage geschaffen
werden kann.
Seien
Sie außerdem darauf vorbereitet, dass Ihr
Kind nach einiger Zeit bei der Tagesmutter andere
Verhaltensweisen zeigen wird, als bei Ihnen. Es kann sein, dass Ihr
Kind dort etwas ißt, was es zu Hause keines Blickes würdigt,
dass die Tagesmutter ihr Kind leichter zu Bett bringen kann,
oder dass Ihr Kind
zu Hause sich wieder unselbständiger verhält, als es die
Tagesmutter berichtet hat. Das hat lediglich damit zu tun, dass Ihr
Kind in neuer Umgebung mit neuen Personen neue Gewohnheiten
entwickelt hat, die sich unterscheiden können von denen, die es
mit Ihnen gelernt
hat. Eine Pädagogin erklärte mir hierzu einmal: Gewohnheiten
sind für das Kind immer mit den Personen verbunden, mit denen
es sie entwickelt hat. Je jünger ein Kind, um so weniger wird
es verstehen, wenn es jeweils auf eine bestimmte Person und
Umgebung bezogene Gewohnheit bei "falschen" Personen
zeigen soll. Die Tagesmutter hat also folglich keinen "größeren"
Einfluß auf Ihr
Kind, sondern nur einen "anderen", und, Ihr Kind hat
eine ganz eigene Beziehung zu seiner Tagesmutter aufgebaut -
unabhängig von Ihnen - und das ist doch was schönes.
Dann
noch etwas: Bitte bezahlen Sie
die Tagesmutter in der Eingewöhnungsphase. Die Tagesmutter hat
in dieser Zeit eine enorme Belastung. Sie wendet sich intensiv Ihrem
Kind zu, und bemüht sich mit Ihnen
zusammen, Ihnen und Ihrem Kind ein gutes Gefühl für die
Zukunft zu vermitteln.
Hierzu
öffnen Sie bitte diese Seite und drucken Sie sie aus. Besonders wichtig für
unsere Tagesmütter, da Fristen ablaufen und
einzuhalten sind.
Zum
guten Schluß noch ein interessanter Link für alle, die sich
etwas mehr Engagement für die Sicherheit und Zukunft unserer
Kinder wünschen: http://antigewalt.4xt.de/
Das
wars für heute, ich
verbleibe mit freundlichen Grüßen
Ihre
Susanne Rowley
Kinderbetreuungsbörse
Wigwam 1994