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Hallo
liebe Tagesmütter, Mütter, Väter und interessierte Leser,
Nachdem
wir in den letzten Info-Briefen viel über Eingewönung und den
Start von Betreuungsverhältnissen gesprochen haben, möchte ich
den Oktober-Brief vorrangig den laufenden Verhältnissen
widmen.
Kindliche
Signale/das Tageskind verändert sich plötzlich
Immer
wieder rufen Tagesmütter bei mir an und berichten, dass die
Betreuung bislang gut gelaufen sei; doch plötzlich klappt es
nicht mehr so reibungslos wie vorher, das Tageskind hat sich verändert.
Die Tagesmutter ist unsicher - ihre Mutmaßungen gehen in alle
Richtungen. Sie fragt sich, ob beim letzten Gespräch mit der
Mutter was schiefgelaufen ist, oder sie sucht die Schuld zunächst
bei sich - hat sie sich zu wenig gekümmert? ect.
Dann
erinnere ich die Tagesmütter zunächst einmal an das erste
Kennenlern-Treffen. Erinnern Sie sich noch, wie das 3-jährige Mädchen
in ihrer Tür stand und den Kopf tief im Mantel seiner Mutter
vergraben hatte. Und 14 Tage später erlebten sie ein ganz
anderes Bild. Das Mädchen rennt in die Wohnung und sagt nicht
mal mehr "Tschüss" zur Mama. Es sind also
Momentaufnahmen - zunächst einmal - die wir da sehen. Nicht
immer heißt also ein kurzfristig verändertes Verhalten des
Tageskindes, dass Handlungsbedarf besteht. Also kommt es schon
auf die Dauer und Intensität der Verhaltensänderung an.
Kinder
geben einfache Signale und beschränken sich in der Regel auf
das Wesentliche. Wenn sie neugierig sind - rennen sie auf die
Dinge zu. Wenn Sie Angst haben, verstecken sie sich unterm Tisch
oder hinter dem Rücken eines Erwachsenen. Wenn sie mit etwas
nicht klar kommen - suchen sie Hilfe beim Erwachsenen - erregen
Aufmerksamkeit. Wenn sie Trost brauchen suchen sie Körperkontakt.
Wenn sie traurig sind - fließen schnell die Tränen. Ich will
damit sagen, dass widersprüchliche Signale bei Kindern eher
selten sind. Eigentlich können wir die Momentaufnahmen ganz gut
deuten; vorausgesetzt das Umfeld des Kindes ist soweit in
Ordnung.
Bei
regelrechten Verhaltensauffälligkeiten von Kindern über lange
Zeit hinweg hingegen, gilt es nicht vorrangig die übliche
"Schuldfrage" zu klären, sondern mehr über das
Umfeld des Kindes zu erfahren, um zu verstehen und einfach wertfrei
zu beobachten. Das kann ein Kind sein, dass bislang
"trocken" war und plötzlich wieder einnäßt, oder
Essenschwierigkeiten, Lustlosigkeit, Angst, Aggressionen und übergroße
Unruhe zeigt. Eins steht fest: Signale des Kindes fordern uns
heraus, auf jeden Fall näher hinzuschauen. Manche Tagesmütter
berichten, dass sie sich bsp.weise aus falsch verstandener
Schuld heraus intensiver als sonst um ein Tageskind gekümmert
haben, das plötzlich immer wieder über unerklärliches
Bauchweh klagte. Der Grund war im Umfeld nicht zu finden. Die
Mutter wußte keinen Rat - der Kinderarzt wurde ebenso befragt -
ohne Ergebnis. Später fiel der Tagesmutter auf, dass sie sich
ständig nach dem Befinden des Kindes erkundigte und auch immer
wieder die gleiche Antwort von dem Kind bekam: ja ich habe
wieder Bauchweh. Das Kind stand ständig im Mittelpunkt und die
Beschwerden wurden stets häufiger und schlimmer. Das Kind ist
mit Sicherheit kein Simulant, hat aber auch festgestellt, dass
es im Mittelpunkt steht mit seinen Beschwerden. Die Tagesmutter
ging später dazu über, das Kind nicht mehr danach zu befragen,
sondern ihm aufmerksam zuzuhören, wenn es
von sich aus klagte - ihm Zuwendung zu geben, wenn es
danach verlangte.
Psychologen
sagen dazu "verschlüsselte Botschaft". Das Kind hat
sich durchaus nach mehr Zuwendung gesehnt - es bestand aber
offensichtlich kein erhöhter Handlungsbedarf. Wir müssen bei
unseren Deutungen auch immer daran denken, dass unsere
Entscheidungen und Interpretationen von so vielen Dingen abhängig
sind; von uns oft in Bruchteilen von Sekunden getroffen werden -
d. h., Aktion und Reaktion oft unmittelbar aufeinanderfolgen.
Oft ist das Kind nur der "Spiegel" unserer eigenen
Verhaltensweisen; jede Tagesmutter, jedes Tageskind hat
ihre/seine "Tagesform" ect. Oft hat auch die abgebende
Mutter ursprünglich ein ganz "anderes Bild" von ihrem
Kind gemalt. Sie sprach davon, dass das Kind immer schon gerne
mit anderen Kindern zusammen war; noch nie Probleme gemacht hat
und auch sonst sehr genügsam sei. Die Tagesmutter erwartet nun
unterbewußt ein solches Kind auch vorzufinden. Oder schauen Sie
doch mal nach ihrer eigenen Sympathie. Ist Ihnen die Mutter
immer sympatisch - mögen sie das Kind "zum fressen"
gern? Spiegelt sich im Verhalten des Kindes vielleicht eine Veränderung
bei der Tagesmutter selbst
und deren Situation wieder? Sicher kann jeder das am
besten für sich selbst beantworten. Wichtig
ist auf jeden Fall, sich zunächst wertfrei zu
verhalten, um mit der Mutter überhaupt ins Gespräch zu kommen.
Wenns
kritisch wird/Wie sag ich's den Eltern
Natürlich
gibt es auch ernstere Situationen, in denen wir mit einfachen
Mittelchen nicht mehr weiterkommen.
Das Tageskind wehrt sich abgegeben zu werden, und das fast täglich;
es stört und sabotiert den Tagesablauf der Tagesmutter in hohem
Maße; was dann? Jetzt müssen Sie das Gespräch mit den Eltern
suchen. Dann ist aber auch
Diplomatie angesagt. Stehen Sie bitte nicht mit dem
Notizbuch vor den Eltern, sondern erzählen Sie locker aus dem
Stehgreif. Versuchen Sie die Vorkommnisse nur zu beschreiben,
enthalten Sie sich zunächst jeglicher Bewertung; treten Sie
keine Beweise an, die schon fast eine Beleidigung für die
Eltern darstellen, z.B. das Kind filmen bei bestimmten
Verhaltensweisen (leider alles schon dagewesen)! Beziehen Sie
die Eltern mit ein - fragen Sie nach, ob die Eltern bereits ähnliche
Situationen beobachtet haben. Geben Sie den Eltern das Gefühl,
dass diese bei der Lösung des Problems gebraucht werden.
Interessieren Sie sich unaufdringlich für evtl. veränderte
Lebenssituationen in der abgebenden Familie; ziehen Sie
evtl. vergleichbare Situationen aus Ihrem eigenen Familienleben mit
heran, um der Mutter die offene Reaktion zu erleichtern. Geben
Sie der Mutter/Vater nicht das Gefühl dieses Problem "seit
Wochen und Monaten" vor sich hergewälzt zu haben und jetzt
nicht mehr zu können - Und vor allen Dingen: zeigen Sie
sich selbst kompetent. Eine Tagesmutter, die bislang nicht viel
zu berichten hatte, die ganze Tagessituation als recht
"aufgeräumt" beschrieben hat, aber jetzt in der
Problemphase mal "so richtig" ausholt, wirkt insgesamt
unglaubwürdig. Zeigen und
erzählen Sie den Eltern, dass Sie auch in "guten
Tagen" auf viele Dinge geachtet haben und sich mit dem
Verhalten des Tageskindes, wenn
Sie es betreuen, wirklich
auskennen. Dazu gehören: die gefühlsmäßige und köperliche
Verfassung morgens beim Abgeben, der Entwicklungsstand des
Kindes im allgemeinen, das grundsätzliche Verhältnis des
Tageskindes zu anderen Kindern, die sonstige Bindung zur
Tagesmutter, Verhalten beim Essen und schlafen,
Entwicklungsfortschritte, Abschiedssituationen.
Das
ist natürlich kein Thema für ein "Tür und Angel-Gespräch.
Vereinbaren Sie mit den Eltern eine Unterredung (ohne Kinder!).
Bei einem solchen Treffen sollten beide Seiten vorbereitet sein.
Über eins muss Klarheit herrschen; wie steht der
"Pegel" zu Beginn. Bin ich noch daran interessiert,
das Verhältnis aufrecht zu erhalten? Oder möchte ich
eigentlich als Mutter/Tagesmutter schon lange alles hinschmeißen?
Klären Sie das zu Beginn. 2 Gesprächspartner mit
unterschiedlichen Zielen können nur "aneinander
vorbeireden"!! Setzen Sie sich ein zeitliches Gesprächslimit
(ca. 2 Stunden) und nehmen sich dann aber auch richtig Zeit.
Beide Eltern und Tagesmutter müssen gleichermaßen zu Wort
kommen. Auch hier gilt - enthalten Sie sich möglichst störender
Wertungen - berichten Sie gegenseitig und erarbeiten dann Lösungen,
hinter denen alle gleichermaßen stehen können.
Veranstaltungsheinweis
Die
Frauenbeauftragte der Stadt Bad Kreuznach, Gabriele Wenner,
veranstaltet in Bad Kreuznach einen Kurs für
"Selbstverteidigung und Selbstbehauptung". Die Kurse
werden von Jutta Arnecke (Dipl.Sozialpädagogin,
WenDo-Trainerin) geleitet.
"Mädchen
und Frauen erleben immer wieder Situationen, in denen sie
gegen ihren Willen von Männern oder Jungs sprachlich oder körperlich
belästigt werden; in der Schule, auf dem Arbeitsplatz, auf
der Straße...WenDo zeigt Möglichkeiten
diesen Übergriffen und Belästigungen zu begegnen, den Willen
zur Selbstbehauptung zu stärken, sich abzugrenzen und zu
verteidigen. Das Selbstbehauptungstraining beinhaltet Gespräche
und Wahrnehmungsübungen, Techniken zur Selbstverteidigung und
Befreiung, Rollenspiele und natürlich auch Spiel und Spaß".
Termine:
Samstag 20.10./Sonntag 21.10.01 für Frauen //
Samstag 26.10/Sonntag 27.10.01 für Mädchen von 8-10 Jahren
// Samstag 08.06./Sonntag 09.06.02 für Mädchen von 11-13
Jahren // Samstag 26.10./Sonntag 27.10.02 für Mädchen ab 13
und älter // Samstag 09.11./Sonntag 10.11.02 für Frauen.
Die
Kurse finden sowohl Samstags als auch Sonntags jeweils von
10.00 Uhr bis 16.30 Uhr statt. Informationen zu Kursgebühren,
Veranstaltungsort ect. sind bei der Frauenbeauftragten der
Stadt Bad Kreuznach, Gabriele Wenner, Tel.: 0671-800202, Fax:
4820808 oder per E-Mail: gabriele.wenner@bad-kreuznach.de
zu erfragen.
Das
wars mal wieder für heute - "Finger wund geschrieben"
- ich hoffe, dass war nicht zu "schwere Kost" - bis
zum nächsten Briefchen.
grüßt
ganz herzlich
Susanne
Rowley
Kinderbetreuungsboerse
Wigwam 1994
(Hauptstelle)
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